Das filmbegeisterte Nachbarland hat sehr früh ein ambitioniertes Hilfsprogramm für die heimische Filmwirtschaft vorgestellt („Plan de relance“). Lohnt sich ein direkter Vergleich der Coronahilfen mit den Maßnahmen der Bundesregierung?

In beiden Ländern profitieren die Unternehmen und Beschäftigten sowohl von sektorspezifischen (z. B. Neustart Kultur) und -übergreifenden (z. B. Kurzarbeitergeld, Überbrückungshilfen) Hilfsmaßnahmen. Die filmspezifischen Hilfen setzten oft auf den jeweils bestehenden Förderlinien auf, sodass auch hier eine Gegenüberstellung schnell zu einem verzerrten Bild führt.

Dass ein direkter Vergleich selbst für konkrete Einzelmaßnahmen schwierig ist, zeigt das Beispiel Filmerbe: In Frankreich wurde ein eigenes Hilfsprogramm aufgelegt mit einem Umfang von 1,8 Mio. Euro. In Deutschland hat die derzeitige Bundesregierung zusammen mit den Ländern und der Filmförderungsanstalt (FFA) bereits vor Corona ein umfangreiches Förderprogramm Filmerbe umgesetzt. Dieses Programm sorgt derzeit auch dafür, dass Dienstleister im Bereich Postproduktion trotz verringerter Produktionstätigkeit Aufträge erhalten. Zudem partizipieren Filmerbe-Einrichtungen an Querschnittsmaßnahmen aus Neustart Kultur.

Klar ist: In Umfang und Umsetzungsgeschwindigkeit muss die Antwort der Bundesregierung den Vergleich mit den französischen Maßnahmen nicht scheuen. Zwei Maßnahmen lohnen jedoch einen genaueren Blick. Denn der französische Centre national du cinéma et de l’image animée (CNC) hat diese in den letzten Monaten konkretisiert: ein Modernisierungsprogramm und ein Nachwuchsprogramm.

„Modernisierungs-Schock“ für Produktion und Dienstleister

Der CNC hat einen Aufruf zur Einreichung von Projekten für technische Investitionen in neue Produktionsanlagen gestartet. Diese Förderung ist insgesamt mit 10 Mio. Euro ausgestattet und zielt auf die Modernisierung von Filmstudios und digitalen Produktionsstätten. Der Titel ist Programm: „choc de modernisation“

Die Vorstellung des Programms von Februar ist online zugänglich – auf Französisch. Ein besonderes Augenmerk wird auf nachhaltige Produktionsmittel gelegt, die den ökologischen Fußabdruck reduzieren können. Jeder Zuschuss kann bis zu 800 000 € pro Projekt betragen. Die ausgewählten Projekte werden im Juli veröffentlicht.

Bereits im Januar hat der CNC den „Plan Studios“ vorgestellt, der Filmstudios mit insgesamt 1 Mio. Euro unterstützt und Weiterbildung insbesondere im VFX-Bereich finanziert.

Vorbild für die Modernisierungsanstrengungen ist auch ein Maßnahmenbündel der 80er-Jahre. Damals stieß Kulturminister Jack Lang unter anderem umfangreiche Investitionen in den Animationsbereich an – von der Ausbildung bis zur Verwertung der heimischen Produktion. In der Folge entwickelte sich Frankreich in diesem Bereich zu einem weltweit führenden Anbieter.

Das Programm soll das Wachstumspotenzial der Filmwirtschaft noch besser zur Entfaltung bringen. In der Studie „Les studios de tournage, un enjeu primordial pour la production en France“ (auf Französisch) wurden die Chancen insbesondere für französische Filmstudios dargestellt. Mit dem Modernisierungsprogramm setzt Frankreich auch nach Corona auf die Filmwirtschaft als starke Wachstumsbranche und die weiter steigende Nachfrage nach Studiokapazitäten. Die SPIO hatte ein Investitionsprogramm mit den Schwerpunkten Nachhaltigkeit und Digitalisierung im Dossier Wachstumskraft Filmwirtschaft auch für die deutsche Filmwirtschaft vorgeschlagen.

Nachwuchs im Fokus

Bereits in der ersten programmatischen Rede zur Lage der französischen Kultur in der Corona-Krise kündigte Präsident Emmanuel Macron einen Fokus auf den Nachwuchs an. Im Filmbereich stellte der CNC jetzt sechs konkrete Maßnahmen vor, die auf eine Unterstützung des Nachwuchses und der Filmbildung zielen.

Aufruf zur Einreichung von Projekten für 2021 „Savoirs et Cultures“:

Mit einem Fonds von 800 000 € unterstützt der CNC die Produktion und den Zugang zu Videos im Internet während der Corona-bedingten Schließungen.

Aufruf für Projekte im Jahr 2021 „Jeunes sortis d’écoles“:

Dieser Projektaufruf richtet sich ausschließlich an Absolvent*innen von Filmhochschulen und Universitäten, die 2019 oder 2020 ihren Abschluss gemacht haben. Mit Zuschüssen in Höhe von 5000 Euro sollen insgesamt 100 Projekte unterstützt werden, um jungen Menschen zu helfen, die den Berufseinstieg unter Corona-Bedingungen schaffen müssen.

Neuer Zuschuss für Autor*innen:

Zur Unterstützung von Autor*innen hat der CNC ein neues Stipendium eingeführt. Insgesamt 1 Million Euro steht im Jahr 2021 für 50 Stipendien (à 20.000 Euro) zur Verfügung, um die Stoffentwicklungsphase zu unterstützen.

Projektausschreibung „Diffusion 15-25 ans“:

Derzeit erarbeitet der CNC einen Aufruf mit einem Volumen von insgesamt 2 Mio. Euro, um Vertriebs- und Marketingmaßnahmen für die Zielgruppe der 15-25 Jährigen zu unterstützen. Der Fonds zielt darauf ab, den Vertrieb und das Marketing für Filme, aber auch VR-Werke und Videospiele, zu verbessern. Ziel ist es auch, junge Menschen für Kulturorte und insbesondere Kinos zu begeistern. Jeder Zuschuss wird mindestens 20.000 Euro pro Projekt betragen. Die ausgewählten Projekte sollen bereits im Juli veröffentlicht werden.

Mehr Förderung für Kurzfilme:

Wie in Deutschland wird die Kurzfilmförderung aufgestockt. Eine zusätzliche Förderung in Höhe von 1 Mio. Euro, verteilt auf die Jahre 2020 und 2021 auf die beiden bestehenden Förderlinien. Zudem wurden die Förderkriterien und Fristen flexibilisiert.

Stärkung von Filmhochschulen:

Mit 1,3 Mio. Euro werden Filmhochschulen unterstützt. Davon geht 1 Mio. Euro an die Pariser La Fémis und 0,3 Mio. Euro an die CinéFabrique (Lyon) für Investitionen in E-Learning und an die Kourtrajmé (Marsaille) zum Aufbau einer neuen Sektion. Daneben werden das französische Filminstitut INA und die beiden Vereine „Mille visages“ und „Les ateliers de cinéma de Claude Lelouch“ unterstützt.

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